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(Kommentare: 3)

Gemeinwohl-Bericht Nummer 2 ist da

Ob wir überhaupt einen 2. Bericht erstellen würden, stand zwischenzeitlich auf der Kippe. Wenn alles läuft, stellt man sich dieser Aufgabe. Aber was ist in Pandemie- und Krisenzeiten? Warum wir es doch getan haben und was dabei rauskam, erfahren Sie hier.

Nur kurz, damit wir es alle wieder auf dem Schirm haben: Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist ein Wirtschaftsmodell, das den Fokus vom rein wirtschaftlichen Denken wegrückt. Unternehmen sollen auch möglichst nachhaltig, sozial, fair und transparent arbeiten, um das Wohl von Mensch und Umwelt langfristig zu sichern. Dieser Ansatz passt gut zu uns. Deshalb haben wir uns 2018 auch als erstes Unternehmen in Mitteldeutschland gemeinwohlzertifizieren lassen. Doch so eine Gemeinwohl-Bilanz bedeutet viel Aufwand. Erst muss recherchiert werden, danach muss sich jemand hinsetzen und den 100-Seiten-Bericht schreiben. Später geht ein externer Auditor drüber, hinterfragt alles noch einmal intensiv und bewertet dann.

Im ersten Berichtszeitraum (2017 – 2018) hatten wir den Schwung des Anfangs und alles war im Aufwind. Im zweiten Berichtszeitraum (2019 – 2021) stellte Covid-19 die Welt und unser Carsharing-Angebot auf den Kopf. Mal stand alles still (Lockdowns), mal war die Nachfrage plötzlich riesig (Sommerferien). Gleichzeitig sorgten Lieferengpässe für große Herausforderungen in der Fahrzeugbeschaffung.

Wir haben uns trotzdem entschieden, einen zweiten Bericht zu machen. Denn so wie die Wirtschaft aktuell funktioniert, können wir nicht ewig weitermachen. Dafür sind die Ressourcen zu knapp. Gleichzeitig wollen wir ja weiterhin dazu beitragen, dass es fairer, nachhaltiger und gerechter zugeht. Deshalb war es uns wichtig, mit diesem 2. Gemeinwohl-Bericht ein Zeichen zu setzen. Auch in Krisenzeiten.

Was gut bewertet wurde

Die „good news“ zuerst: Wir konnten die Punktzahl unseres GWÖ-Testats weiter verbessern. Von 454 auf 479 Punkte. Das hat unter anderem folgende Gründe:

  • Unsere ohnehin schon vorbildliche Eigenkapitalquote ist noch um 3 Prozentpunkte auf 51,9 % gestiegen. (Der Gedanke dahinter: Je höher das Eigenkapital desto stabiler steht die Zukunft von teilAuto.)
  • Bei unseren direkten Dienstleister*innen (Werkstätten, Stationsbau, Grafik, IT etc.) setzen wir auf absolute Langzeitbeziehungen
  • Auch für unsere Mitarbeitenden haben wir einiges getan. Die reguläre Wochenarbeitszeit wurde von 40 auf 38 Stunden gesenkt. Gleichzeitig wurde die Anzahl der Urlaubstage von 26 auf 28 erhöht. Außerdem sind wir offen, was Teilzeitwünsche betrifft. Mittlerweile arbeitet fast die Hälfte unseres Teams nicht mehr in Vollzeit, sondern in der Stundenanzahl, die zu den individuellen Bedürfnissen passt.
  • Positiv bewertet wurde auch, dass wir seit 2021 eine flächendeckende CO2-Kompensation über alle mit teilAuto und cityflitzer getätigten Fahrten leisten. (Ja, auch Ihre!) Wie das geht? Über die spezielle myclimate-Tankkarte in unseren Verbrenner-Autos. Unsere E-Fahrzeuge werden an ihren Heimatstationen natürlich mit Ökostrom geladen.
  • Gute Bewertungen gab es auch für die offene und intensive Kommunikation mit unseren Kund*innen via Newsletter, Blog etc.

Wo wir Abzüge bekommen haben

  • Wir machen was mit Autos. Und Autos sind nun mal ökologisch schädliche Produkte – selbst wenn der Einsatz im Carsharing durchaus nachhaltig und effizient ist.
  • Unser Einfluss auf die Automobilhersteller, bei denen wir einkaufen, ist leider gering. Wir setzen nach bestem Gewissen auf Hersteller, die an uns bekannten Standorten mit vernünftigen Arbeitsbedingungen arbeiten. Belegbare Informationen über faire Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette bekommt man aber nur schwer.
  • Auch unsere Unternehmensform, die GmbH, ist natürlich kein Gemeinwohl-Liebling. Der Auditor sähe da lieber eine Genossenschaft oder ähnliches. Eine Idee, mit der wir schon lange liebäugeln, aber auch wieder ein Prozess, der Zeit braucht und Arbeitsaufwand bedeutet.

Ein erstes Fazit

Wir denken, dass unsere zweite Gemeinwohl-Bilanz ein ein ehrliches Ergebnis zeigt. Wie vergleichbar es mit verschiedenen Carsharing-Anbietern ist, wird die Zukunft zeigen. Bislang ist nur ein weiterer Carsharer GWÖ-bilanziert, ein dritter wartet noch auf seine Zertifizierung.

Bei der Bewertung von Berichten versuchen die GWÖ-Auditor*innen einen Mittelweg aus harten Fakten (Zahlen) und der Selbsteinschätzung der eigenen Prozesse und Strategien zu gehen. Manche Punkte, wie die Eigentums- und Finanzstruktur, sind einfach und leicht nachvollziehbar darzulegen. Andere, weichere Faktoren, sind schwieriger zu fassen. Zum Beispiel: Wie legt man bei flachen und weniger formal bestimmten Hierarchien das Mitbestimmungsrecht der Mitarbeitenden dar? Oder: Wie hoch bewertet man den sinnstiftenden Nutzen unseres Angebots? Trägt Carsharing tatsächlich zu mehr persönlicher Freiheit bei oder ist es nur Mittel zum Zweck, um Fahrten und Transporte zu organisieren? Im Grunde trifft beides zu, aber ersteres gibt mehr Punkte in der GWÖ-Bilanz.

Das war unser kurzer Einblick. Wenn Sie mehr über das Thema erfahren wollen, laden wir Sie ein, in unseren neuen Bericht zu schauen. Es gibt eine Kurz- und eine Langversion. Beide finden Sie unter teilauto.net/gemeinwohl. Infos zur GWÖ im Allgemeinen finden Sie hier.

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Kommentare

Kommentar von Kay |

Ich finde die GWÖ super und hoffentlich ein Modell der Zukunft, um ohne dieses ständige Wachstumsstreben auszukommen. Danke, dass ihr da Vorreiter seid.

Kommentar von Christian R. |

Danke für diesen Weg, das Gemeinwohl in den Blick zu nehmen. Richtig!

Kommentar von Nino |

Teilauto als Genossenschaft? Ich wär sofort dabei!

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